Wiederansiedelung der Deutschen Tamariske

Mitarbeiter des Nationalparks Donau-Auen und des Nationalparks Gesäuse besuchten Mitte Juli 2018 den Naturpark Tiroler Lech. Zum einen sollten die Vorkommen des Zwerg-Rohrkolbens (Typha minima) besichtigt, zum anderen die letzten natürlichen Bestände der Deutschen Tamariske (Myricaria germanica) aufgesucht werden. Ziel war es, vorhandenes Wissen über diese beiden Pionierarten auszutauschen und zu erweitern. Zudem wurde die Gelegenheit genutzt, um mittels einer naturschutzfachlichen Bewilligung des Landes Tirol und unter Aufsicht des Naturparks Tiroler Lech an drei Standorten nahe Elmen, Forchach und Weißenbach die Samen einiger Individuen der Deutschen Tamariske zu sammeln. Das Saatgut wird im Rahmen von Artenschutz-Programmen herangezogen, um Bestände zur Vermehrung und Wiederansiedelung dieser Art aufzubauen.

Bei ihrem Besuch im Naturpark Tiroler Lech wurden die MitarbeiterInnen der Nationalparks von Mag. Anette Kestler, der Geschäftsführerin des Naturparks Tiroler Lech, begleitet. Gemeinsam wurden zu Beginn drei Standorte besucht, an denen der Zwerg-Rohrkolben natürlich vorkommt, erfolgreich wiederangesiedelt wurde und jener, von dem Material der Erhaltungszucht dient. Im Nationalpark Donau-Auen wird der Zwerg-Rohrkolben seit 2011 mit Ausgangsmaterial vom Tiroler Lech wieder erfolgreich vermehrt und seit 2015 an potentiell geeigneten Standorten versuchsweise ausgepflanzt. Für die nähere Zukunft ist geplant, das Pflanzmaterial mit Saatgut anderer Standorte aufzufrischen, um der genetischen Verarmung des Zuchtbestandes entgegenzuwirken.

Nach der Besichtigung der Zwerg-Rohrkolben-Vorkommen ging es zu den Beständen der Deutschen Tamariske. Dort wurden Samen der bereits fruchtenden Individuen gesammelt. Aufgesucht wurden Populationen in Elmen, Forchach und Weißenbach am Lech. Der Nationalpark Gesäuse unterhält seit 2005 eine Erhaltungs- und Vermehrungszucht für die Deutsche Tamariske. Durch die HBLFA Raumberg-Gumpenstein wurde zudem eine größere Anzahl an Individuen herangezogen und im Jahr 2017 erfolgreich ausgepflanzt. Mit dieser Maßnahme soll eine dauerhafte Etablierung erreicht werden und die diesjährig gesammelten Samen wurden bereits wieder zur Anzucht übergeben.

Die beiden Arten Zwerg-Rohrkolben und Deutsche Tamariske kommen auf natürliche Weise an offenen Uferbereichen vor und sind an dynamische Flusslandschaften angepasst. Diese Lebensräume sind durch Flussregulierungen selten geworden und die Arten dadurch auf wenige Standorte zurückgedrängt worden. In den Schutzgebieten wird im Rahmen von Renaturierungsprojekten versucht, wieder Lebensräume für diese beiden Pionierarten zu schaffen. Langfristiges Ziel ist es, von den beiden derzeit stark bedrohten Arten Zwerg-Rohrkolben und Deutsche Tamariske wieder stabile, sich selbst erhaltende Populationen zu schaffen.


» Zurück