Wiederansiedelung der Deutschen Tamariske 2017

Anfang Juni 2017 waren im Rahmen einer Fachtagung der ANL (Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege) MitarbeiterInnen des Nationalpark Donau-Auen zu Besuch im Naturpark Tiroler Lech, um sich eine erfolgreiche Wiederansiedlungsfläche des Zwerg-Rohrkolbens und natürliche Standorte der Deutschen Tamariske anzusehen. Anette Kestler, Geschäftsführerin des Naturparks, führte die Gäste auf die Uferbereiche der Flusslandschaft und informierte über Schutzprogramme des Naturparks wie auch über aktuelle Beobachtungen und Gefährdungen der beiden Pionierarten. Die SchutzgebietsbetreuerInnen konnten bei der gemeinsamen Begehung ihre unterschiedlichen Erfahrungen, z.B. bei der Standortsauswahl oder mit verschiedenen Zuchtmethoden austauschen.

Durch das Verschwinden offener Uferbereiche nach Regulierungs- und Kraftwerksbau sind die Charakterarten der dynamischen Flusslandschaften, wie der Zwerg-Rohrkolben (Typha minima) und die Deutsche Tamariske (Myricaria germanica), in Österreich auf wenige Standorte zurückgedrängt worden. Durch gewässerbauliche Maßnahmen im Rahmen von Renaturierungsprojekten ist es in den Großschutzgebieten Nationalpark Gesäuse und Nationalpark Donau-Auen bereits gelungen, die flussbauliche Situation der Gewässer in den beiden Nationalparks teilweise wieder zu verbessern. Langfristig soll es ermöglicht werden, dass sich die beiden Pionierarten wieder innerhalb Ihrer natürlichen Verbreitungsgebiete in den Schutzgebieten etablieren und eine stabile, sich selbst erhaltende Population aufbauen können. Im Rahmen von Artenschutzprogrammen finden daher Zuchtprogramme und Versuche zur Wiederansiedlung statt.

Im Nationalpark Donau-Auen wird der Zwerg-Rohrkolben (Typha minima) seit 2011 mit Ausgangsmaterial vom Tiroler Lech erfolgreich vermehrt und seit 2015 auch wieder in einigen Bereichen im Freiland versuchsweise ausgebracht. Im Nationalpark Gesäuse wird für die Wiederansiedlung der Deutschen Tamariske bereits seit 2005 eine Erhaltungs- und Vermehrungszucht durchgeführt. Erste Aussiedlungsversuche 2005 und 2008 waren nicht von Erfolg gekrönt. 10 Jahre danach soll nun mit größeren Mengen von durch die HBLFA Raumberg-Gumpenstein herangezogenen Exemplaren eine dauerhafte Etablierung erreicht werden.

Für die Wiederansiedlung im Freiland ist von großer Bedeutung auf einen sicheren Backup-Bestand an Pflanzen der jeweiligen Art zurückgreifen zu können, der auf einer möglichst großen genetischen Diversität beruht, d.h. auf verschiedene Individuen aus unterschiedlichen Populationen. Daher wurde der Besuch der NationalparkmitarbeiterInnen auch genutzt für das Schutz-Programm der beiden Nationalparks im Rahmen einer naturschutzfachlichen Bewilligung des Landes Tirol und unter Leitung des Naturparks Tiroler Lech an zwei Standorten nahe Weißenbach und Elmen von einigen Individuen der Deutschen Tamariske Samen zu sammeln.
Noch am gleichen Abend wurde ein Teil der Samen an Daniel Kreiner vom Nationalpark Gesäuse übergeben. Zur Absicherung des seltenen autochthonen Pflanzenmaterials sollen die Samen an möglichst vielen unterschiedlichen Orten gezüchtet und somit erhalten werden. Daher gingen weitere Anteile an den Schutzgarten der BOKU (Universität für Bodenkultur Wien) und den Botanischen Garten der Universität. Dort sollen nun die Pflanzen für zukünftige Wiederansiedlungen vermehrt und bewahrt werden.


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